Praxis

Ein Paketmanager in Rust: 42 Stunden mit Claude Code

· Aktualisiert 8. Mai 2026

Das Projekt

Also, ich wollte schon immer unter Windows einen Paketmanager haben wie apt unter Linux und als ich dann die Tage auf einem Hackathon in Köln war und ein Projekt gefragt war, da habe ich diese Idee reaktiviert. Ich weiß, sowas gibt es schon (z.B. Chocolatey oder Scoop), aber ich wollte es eben selber machen, in Rust und es sollte leichtgewichtig, portabel und selfcontained sein. Damit nahm das Unheil dann seinen Lauf :)

Natürlich habe ich es mit Claude Code gemacht, zum Zeitpunkt des Schreibens war das Model dahinter Opus 4.5 und 4.6. Das Ergebnis: eine erste funktionierende Version binnen 5 Stunden, nach 26 Stunden war es schon ziemlich fertig und jetzt habe ich noch mal ein paar Stunden mehr investiert, bin bei 42 Stunden und lass es erst mal gut sein. Es läuft schon seit einiger Zeit produktiv samt Server unter Linux im Netz.

Der Source Code hat 2800 Zeilen Code (ohne Leerzeilen und ohne Kommentare) und nochmal 1800 Zeilen Test Code. Ziemlich gute Ausbeute würde ich sagen (109 Zeilen/h – ich weiß, das ist keine gute Metrik, aber irgendwie muss ich die Produktivität ja einschätzen).

Wie ich mit Claude Code arbeite

Wie lief es mit Claude Code? Ich bin ziemlich begeistert! Ein paar Regeln helfen, um mit Claude schnell brauchbare Software zu schreiben:

  1. Schreib zuerst eine Specification und sei bei den einzelnen Punkten möglichst genau. Wenn du dich unklar ausdrückst, dann bekommst du auch nur Irgendwas als Resultat ("ungenau gewünscht!", würde das Sams sagen). Schreibe am besten schon am Anfang alle Features auf, die du dir wünschen könntest, die Maschine sieht dann besser, wohin die weitere Reise gehen soll. Diskutiere mit ihr, welche Punkte sinnvoll sind, welche du vielleicht erst mal besser weglässt und welche Reihenfolge sinnvoll ist.
  2. Zerlege die Arbeit in möglichst viele kleine Teile, die man direkt testen kann. Damit hast du schnell Erfolge und Claude kann immer leicht überprüfen, dass der nächste kleine Schritt erfolgreich war. Dabei geht es nicht um Motivation (logisch!) sondern um Überprüfbarkeit.
  3. Für jeden Teil, den ihr zusammen schreibt, immer sofort Test Code schreiben lassen! Die Maschine muss möglichst frühzeitig feststellen können, ob ihre Änderungen korrekt sind. Spätestens beim Refactoren zahlt sich der Test Code aus. Ebenso immer linten (auf maximaler Stufe) und formatieren, das volle Programm.
  4. Immer mal wieder Claude Code eine Code Review machen lassen, wahlweise als normaler Reviewer oder als Security Researcher. Und: mach es mehrfach. Beim zweiten Mal findet er Fehler, die er beim ersten Mal übersehen hat. Es lohnt sich auch, den Context zu clearen (/clear) und dann den Review nochmal zu machen. Das kann mit dem gleichen Prompt sein und er wird wahrscheinlich trotzdem wieder etwas finden. Diese Loop solltest du so oft wiederholen, bis nur noch Kleinigkeiten angemerkt werden.

Meine beste Analogie zur Maschine ist: sie ist wie ein menschlicher Praktikant, der verdammt viel gelesen hat, schnell und begeistert ist, aber vergesslich und unaufmerksam. Dieser "Praktikant" macht hin und wieder Fehler, ist faul und übersieht Sachen. Das ist für uns ungewohnt: wir kennen es ja von Computern, dass ihre Berechnungen immer korrekt sind und hier ist es jetzt auf einmal so "fluffig" ungenau. Trotzdem kann man mit der richtigen Herangehensweise sehr gute Ergebnisse erzielen.

Nachschärfen

Bei aller Begeisterung ist es aber nicht so, dass alle Ergebnisse direkt publikationsreif wären. Man kommt zwar schnell zu Ergebnissen, die funktionieren, sollte aber auch oft nachschärfen. Ich habe mehrfach folgenden Prompt abgeschickt:

you are a code reviewer with 20 years of experience. your task is to code review this source code. i'm not concerned with security in the first place, but that the program works as expected. read readme.md and the help texts first and see if everything works as expected and described. be thorough and take your time. it is very important!

Der Prompt liest sich vielleicht ein bisschen schräg, aber er funktioniert. Die Maschine an sich kann jede beliebige "Persönlichkeit" annehmen und möchte dir als solche dann gerne deine Wünsche erfüllen. Da macht es einen Unterschied, worauf man den Fokus legt.

Bei jeder Runde fand Claude wieder einige Bugs und fixte sie, nur um dann in der nächsten Runde trotzdem noch weitere Fehler zu finden. Irgendwann werden die "Bugs" kleiner und mehr zu Edge Cases. Das ist dann der Moment aufzuhören.

Fazit

Im Endergebnis würde ich sagen: niemals hätte ich so schnell ein so hochwertiges Produkt schreiben können ohne KI-Hilfe. Ich kann Rust zwar schon ganz gut, aber eben noch nicht so gut. Ich kenne nicht alle Libraries und bin lange nicht so schnell wie die KI. Klar, einige Fehler hätte ich nicht gemacht, aber dafür hätte ich an vieles andere nicht gedacht. Als Team finde ich Claude Code und mich zur Zeit am besten.

Wer es nachlesen möchte: das Projekt ist auf GitLab verfügbar. Claude hat natürlich immer die Commit Messages geschrieben und sich selbst auch als Helfer genannt. Man kann sehr schön sehen, wann neue Features und wann Bugfixes und Security Hardening nach einer Code Review stattgefunden haben.